Kulturwissenschaftliche Border Studies

Kurzbeschreibung

Die wissenschaftliche Beschäftigung mit Grenzen steht derzeit vor besonders großen Herausforderungen, was eine enorme Dynamisierung der Border Studies bewirkt. Die kulturwissenschaftlich ausgerichteten Border Studies analysieren Grenzräume kritisch und betrachten Grenzen dabei sowohl synchron wie diachron als Ergebnisse von komplexen räumlichen, zeitlichen, sozialen und kulturellen Prozessen, die nicht statisch, sondern dynamisch und veränderbar sind. Diese Ausrichtung ermöglicht es, Grenzen in ihren sozialen (Re-)Produktionsprozessen zu untersuchen und bietet nicht nur zahlreiche Anschlüsse für kulturwissenschaftliche Zugänge, sondern fordert diese geradezu ein.

In ihren Arbeiten konzentrieren sich die Sektionsmitglieder auf vier komplementäre Gegenstandsbereiche kulturwissenschaftlicher Grenz(raum)forschung: Literatur & Populärkultur, Medien & politische Diskurse, alltagskulturelle Praxisformationen & Sprachkontakt und Mobilität & Migration. Mit diesen Arbeitsschwerpunkten ist die Sektion anschlussfähig für unterschiedliche kulturwissenschaftlich orientierte Disziplinen und leistet sowohl auf der Ebene der Theoretisierung von Grenz(raum)fragen als auch auf empirischer Ebene der Analysebeispiele einen wichtigen Beitrag für die Weiterentwicklung der kulturwissenschaftlichen Border Studies.

Die Sektionsmitglieder beteiligen sich an der Bearbeitung der Arbeitsschwerpunkte, wofür sie sich mindestens einmal pro Jahr an einer der beteiligten Universitäten und darüber hinaus im Rahmen von thematisch fokussierten Workshops treffen. Die Arbeitsergebnisse werden auf gemeinsamen Panels auf Konferenzen, in gemeinsamen Veröffentlichungen sowie in geeigneten Foren der beteiligten Partnereinrichtungen vorgestellt und diskutiert.

Kontakt

Dr. Christian Wille

christian.wille@uni.lu


Konzeptpapier

  1. Hintergrund

Die wissenschaftliche Beschäftigung mit Grenzen steht derzeit vor besonders großen Herausforderungen, was eine enorme Dynamisierung der Border Studies bewirkt. Diese verstehen sich als Arbeitsfeld im Schnittpunkt von verschiedenen Disziplinen der ‚Humanities’, das zunächst innerhalb der Chicano/a Studies prominent wurde und sich rasch als übergreifendes Feld entwickelte, welches sich generell mit Phänomenen von Alterität, Identität und Differenz beschäftigt und dem unterschiedliche Denkfiguren von Grenzräumen zugrunde liegen. Aufgrund ihres multidisziplinären Charakters sind die Border Studies auf keinen typischen Gegenstandsbereich verengt, ebenso wenig gründen sie auf einen etablierten Kanon von Theorien und Konzepten. Vielmehr führen sie unterschiedliche theoretische Perspektiven der ‚Humanities‘ produktiv zusammen und bieten somit Raum für wissenschaftliche Innovation.

Spätestens seit den 2000er Jahren ist eine fortschreitende Ausdifferenzierung der Border Studies zu beobachten, die die (mancherorts noch verbreitete) dominante Position der Raumwissenschaften zugunsten kulturwissenschaftlicher Perspektiven relativiert. Die kulturwissenschaftlich ausgerichteten Border Studies analysieren Grenzräume kritisch und betrachten Grenzen dabei sowohl synchron wie diachron als Ergebnisse von komplexen räumlichen, zeitlichen, sozialen und kulturellen Prozessen, die nicht statisch, sondern dynamisch und veränderbar sind. Es vollzieht somit eine Blickverschiebung von der Grenze als ontologischer Gegenstand hin zu den für sie konstitutiven Praktiken, Diskursen und Materialitäten. Diese Ausrichtung ermöglicht es, Grenzen in ihren sozialen (Re-)Produktionsprozessen zu untersuchen und bietet nicht nur zahlreiche Anschlüsse für kulturwissenschaftliche Zugänge, sondern fordert diese geradezu ein.

  1. Zielsetzungen

Vor diesem Hintergrund wird mit der Sektion „Kulturwissenschaftliche Border Studies“ eine doppelte Zielsetzung verfolgt: In wissenschaftspolitischer Hinsicht dient die Sektion als Plattform zur Vernetzung und Formierung von kulturwissenschaftlich orientierten Grenz(raum)forschenden, zur erhöhten Sichtbarkeit ihrer Arbeiten sowie zur Stärkung kulturwissenschaftlicher Perspektiven in der Auseinandersetzung mit relevanten gesellschaftlichen Fragestellungen. In wissenschaftlicher Hinsicht kommt der Sektion die Funktion eines Labors zu, in dem kulturwissenschaftlich orientierte Grenz(raum)forschende theoretisch-konzeptionelle Entwicklungen diskutieren, etablierte und innovative Ansätze auf den Prüfstand stellen sowie das eigene Begriffs- und Analyseinstrumentarium der verwendeten Ansätze weiterentwickeln. Mittel- bis langfristig sollen die Aktivitäten der Sektion zur Ausarbeitung und Beantragung gemeinsamer Kooperationsprojekte führen, die zur stärkeren Theoretisierung und Entwicklung von kritischen und komparativen Perspektiven innerhalb der Border Studies beitragen.

  1. Inhalte

Im Zuge der weitgehend etablierten ‚Dezentrierung der Grenze‘ zugunsten der Untersuchung der für sie konstitutiven Prozesse sind in den Border Studies Konzepte entstanden (z.B. bordering, borderregime, borderscapes, bordertexturen), die versuchen, Demarkationsprozesse möglichst weitgreifend zu erfassen. Sie berücksichtigen Praktiken/Diskurse z.B. unter räumlichen, materialen, sozialen oder diachronen Gesichtspunkten mit dem Ziel, die Verflechtungen und wechselseitigen Durchdringungen von relevanten Aspekten der Grenze in ihrer Dynamik aufzuschlüsseln. Die Sektion begreift solche ‚Gemengelagen von Aspekten‘ als ein aus Praktiken/Diskursen/Materialien konfiguriertes Gefüge sich kreuzender ‚Fäden‘ mit Referenzen in Politik, Recht, Wirtschaft, Gender, Sexualität, Ethnizität etc. und fragt, wie solche Bordertexturen analytisch aufgefächert und untersucht werden können.

In ihren Arbeiten konzentrieren sich die Sektionsmitglieder auf vier komplementäre Gegenstandsbereiche kulturwissenschaftlicher Grenz(raum)forschung:

  • Literatur & Populärkultur
  • Medien & politische Diskurse
  • alltagskulturelle Praxisformationen & Sprachkontakt
  • Mobilität & Migration

Mit diesen Arbeitsschwerpunkten ist die Sektion anschlussfähig für unterschiedliche kulturwissenschaftlich orientierte Disziplinen und leistet sowohl auf der Ebene der Theoretisierung von Grenz(raum)fragen als auch auf empirischer Ebene der Analysebeispiele einen wichtigen Beitrag für die Weiterentwicklung und Sichtbarkeit der kulturwissenschaftlichen Border Studies.

  1. Zusammenarbeit und Funktionsweise

Die Sektion versteht sich nicht als ein exklusiver Zirkel von WissenschaftlerInnen unterschiedlicher Disziplinen und bestimmter Universitäten, sondern als Kerngruppe einer hinreichend offenen und für kulturwissenschaftlich orientierte Disziplinen anschlussfähigen Plattform. Alle Sektionsmitglieder beteiligen sich an der Bearbeitung der Arbeitsschwerpunkte, wofür sie sich mindestens einmal pro Jahr an einer der beteiligten Universitäten und darüber hinaus im Rahmen von thematisch fokussierten Workshops treffen. Die dafür erforderlichen finanziellen Mittel werden von den beteiligten Universitäten aufgebracht bzw. als Drittmittel eingeworben.

Die Arbeitsergebnisse werden auf gemeinsamen Panels auf Konferenzen (u.a. Jahreskonferenz der KWG, Konferenzen der Association for Borderlands Studies), in gemeinsamen Veröffentlichungen (u.a. Kulturwissenschaftliche Zeitschrift, Journal of Borderlands Studies) sowie in geeigneten Foren der beteiligten Partnereinrichtungen (u.a. UniGR-Center for Border Studies, Viadrina Center B/ORDERS IN MOTION) vorgestellt und diskutiert.

Die Koordination der Arbeiten sowie die Berichterstattung an den Vorstand der KWG werden durch den/die SprecherIn der Sektion sichergestellt.

  1. Gründungsmitglieder (alphabetisch)

Dr. Elisabeth Boesen (Universität Luxemburg, Institute for History)

Prof. Dr. Astrid M. Fellner (Universität des Saarlandes, North American Literary and Cultural Studies)

Prof. Dr. Konstanze Jungbluth (Viadrina Europa Universität Frankfurt/Oder, Sprachgebrauch und Sprachvergleich)

Dr. Hannes Krämer (Viadrina Europa Universität Frankfurt/Oder, Vergleichende Kultursoziologie)

Prof. Dr. Claudia Weber (Viadrina Europa Universität Frankfurt/Oder, Europäische Zeitgeschichte)

Dr. Christian Wille (Universität Luxemburg, Research Unit IPSE –  Identités, Politiques, Sociétés, Espaces)

  1. Ansprechpartner

Dr. Christian Wille

christian.wille[at]uni.lu

Aktuelles:

30/31. März 2017: Erster konstitutiver Workshop der Gründungsmitglieder an der Universität Luxemburg