Kulturwissenschaftliche Ästhetik

Kurzbeschreibung

Die Sektion »Kulturwissenschaftliche Ästhetik« hat als Hauptziel, die Konturen einer ausdrücklich als ›kulturwissenschaftlich‹ verstandenen Ästhetik zu umreißen. Viele Disziplinen aus den »drei Kulturen« (Lepenies) beanspruchen heute, sich auf ästhetische Phänomene zu beziehen. Der Begriff der Ästhetik wird in diesen verschiedenen Kulturen oftmals in sehr unterschiedlicher Bedeutung gebraucht. Eine Aufgabe der Sektion »Kulturwissenschaftliche Ästhetik« besteht deswegen darin, diese polysemischen Begriffe ›Ästhetik‹ und ›ästhetisch‹ in verschiedenen Disziplinen und Paradigmen historisch und systematisch zu analysieren.
Gleichzeitig will die Sektion über diese Pluralität der ›Ästhetik‹-Begriffe hinaus, an der Spezifizität einer »kulturwissenschaftlichen Ästhetik« arbeiten. Wir knüpfen hier an aktuelle Debatten an, in denen ein erweiterter Ästhetik-Begriff umrissen wird. Mit dem Begriff der kulturwissenschaftlichen Ästhetik öffnet sich ein Forschungsfeld, welches die schönen Künste einschließlich ihrer experimentellen Zugänge und der verschiedenen Spielarten von künstlerischer Forschung ebenso umfasst, wie bestimmte Praxisformen des Alltags, der visuellen Kultur oder der Medien- und Populärkultur – und dennoch grundständig auf Aisthesis als den Moment der sinnlichen Wahrnehmung angewiesen bleibt. Eine kulturwissenschaftliche Ästhetik untersucht ebenfalls die subversiven und emanzipativen Potentiale ästhetischer Praktiken und berücksichtigt gleichzeitig die Macht der Ästhetik aus kritischer Perspektive.

Kontakt:

Jun. Prof. Dr. Amalia Barboza (Universität des Saarlandes), a.barboza@mx.uni-saarland.de
Prof. Dr. Stefan Krankenhagen (Universität Hildesheim),krankenh@uni-hildesheim.de
Prof. Dr. phil. Ulf Wuggenig (Universität Lüneburg), ulf.wuggenig@leuphana.de

Mehr Informationen über die Sektion Kulturwissenschaftiche Ästhetik finden Sie auf der Webseite: https://kwaesthetik.wordpress.com


Konzeptpapier

Die Sektion »Kulturwissenschaftliche Ästhetik« hat als Hauptziel, die Konturen einer ausdrücklich als ›kulturwissenschaftlich‹ verstandenen Ästhetik zu umreißen.

Dabei berücksichtigt unsere Sektionsarbeit, dass das Gebiet der Ästhetik weder unter­theoretisiert ist, noch, dass es an Forschung oder an Institutionen mangelt, die sich dem Thema widmen. Eine Reihe von Disziplinen aus den »drei Kulturen« (Lepenies) beanspruchen heute, sich theoretisch, empirisch, methodologisch oder epistemologisch auf Ästhetik bzw. auf ästhetische Wahrnehmungen, Erfahrungen, Urteile, Praxisformen oder andere ästheti­sche Phänomene zu beziehen. Hinzu kommen die ästhetischen (Selbst) Reflexionen, die der Kunst, Kunstwerken und künstlerischer Produktion eigen sind. Sie erfolgen in freien wie in angewandten Künsten, in denen Produkte hergestellt, Prozesse initiiert, Ereignisse inszeniert oder Praktiken verfolgt werden, die als ästhetische bezeichnet werden können; nicht zu vergessen die (Selbst) Reflexion im Rahmen von Institutionen unterschiedlichen Legitimitäts­grades, die sich ästhetischer Bildung widmen.

In den letzten Jahren erleben wir deshalb in vielen Bereichen das Bestreben an einem neuen und erweiterten Begriff der Ästhetik zu arbeiten, der sowohl auf die konstatierten »Selbstentgrenzungen von Kunstpraktiken« (Reckwitz 2012) als auch auf die »Transformation in den Künsten« (Reiche et al. 2011) selbst reagieren müsste. Wir sehen hier verschiedene Wege zur Bestimmung der Umrisse einer kulturwissenschaftlichen Ästhetik, indem wir in unserer Arbeit:

  • … die Unterscheidungen und Grenzziehungen von »hohen Künsten«, »angewandten Künsten« und »Kunsthandwerk«, E- und U-Musik, Kunst und Alltag, avantgardistischer Kunst und traditionellen (außereuropäischen) Künsten befragen, an denen übergreifend die Unter­scheidung zwischen sozialen, politischen und ästhetischen Momenten von Kultur beobachtbar werden. Diese Differenzziehungen wiederum, so die Perspektive einer kulturwissenschaftli­chen Ästhetik, haben Auswirkungen auf die Frage nach den emanzipativen wie auch den negativen Potentialen der Ästhetik.
  • … die Unterscheidung zwischen Kunst und Ästhetik selbst thematisieren und dabei die Unterscheidung zwischen Werk- und Rezeptionsästhetik befragen. Aus der Perspektive einer kulturwissenschaftlichen Ästhetik in der Folge der Cultural Studies stehen in der Analyse der Künste weder nur die Werke als Endprodukte noch der Genuss der Künste allein im Zentrum. Im Interesse der Sektionsarbeit steht deshalb, der Praxis ästhetischer Aneignung, Erfahrung, Rezeption und Konsumption gleichfalls in einer kulturwissenschaftlichen Ästhetik Raum zu geben.
  • … die Unterscheidung zwischen Theorie und Praxis des Ästhetischen thematisieren. Mit Praxis sind dabei konkrete Tätigkeiten gemeint, denen ein ästhetischer Sinn zugeschrie­ben werden kann. Weil jene sich nicht mehr im Feld der Kunst alleine bewegen, steht die Frage im Raum, wie die Praxisformen des Alltags etwa, der Medien- und Populärkultur oder auch im Rahmen der visuellen, materiellen und auditiven Kultur als eine ästhetische Praxis theoretisch zu konzeptualisieren seien.

Die Sektion »Kulturwissenschaftliche Ästhetik« versteht sich als eine Plattform für Lehrende und Studierende in den kulturwissenschaftlichen Fächern, um gemeinsam und im interdiszi­plinären Dialog an den Umrissen einer kulturwissenschaftlichen Ästhetik zu arbeiten. Mit dem Begriff der kulturwissenschaftlichen Ästhetik öffnet sich ein Forschungsfeld, das die schönen Künste einschließlich ihrer experimentellen Zugänge und der verschiedenen Spielarten von künstlerischer Forschung ebenso umfasst, wie bestimmte Praxisformen des Alltags, der visuellen Kultur, und der Medien- und Populärkultur – und dennoch grundständig auf Aisthesis als den Moment der sinnlichen Wahrnehmung angewiesen bleibt. Die Sektion führt ihre Arbeit in gemeinsamen Workshops auf den Jahrestagungen der Kulturwissenschaft­lichen Gesellschaft durch; weitere mögliche Arbeitsformen sind Tagungen und Konferenzen, die aus dem Themenfeld der Sektion erwachsen, sowie Exkursionen oder Praxis-Workshops und Sommerakademien.

Die Sektionssitzung in Lüneburg beginnt mit der Vorstellung des von Amalia Barboza (Universität Saarbrücken), Stefan Krankenhagen (Universität Hildesheim) und Ulf Wuggenig (Leuphana Universität Lüneburg) gemeinsam erarbeiteten Konzeptpapiers „Kulturwissenschaftliche Ästhetik“. Dem folgt der Impulsvortrag „Die Macht der Ästhetik“ von Ruth Sonderegger (Akademie der Bildenden Künste, Wien), der auch eine Stellungnahme zum Konzeptpapier umfasst. Auf diesen Grundlagen wird die Diskussion eröffnet. Dem schließen sich Überlegungen zur weiteren Zusammenarbeit, zu gemeinsamen Projekten, Tagungsplanungen, nächsten Schritten der Vernetzung sowie zu Inhalten der Website an.

An einer Mitarbeit interessierte Forschende sind gebeten, sich über das Formular auf der Website für den Ersten Kongress der KWG in Lüneburg anzumelden; konkrete Arbeitsformate werden am ersten Kongress entwickelt.

Kontakt:
Jun. Prof. Dr. Amalia Barboza (Universität des Saarlandes), a.barboza@mx.uni-saarland.de
Prof. Dr. Stefan Krankenhagen (Universität Hildesheim), krankenh(at)uni-hildesheim.de
Prof. Dr. phil. Ulf Wuggenig (Universität Lüneburg), ulf.wuggenig@leuphana.de